grande finale
Montenegro bietet uns zum Abschluss noch einmal seine schönste Seite und die Fahrt durch das Durmitor ist wirklich ein absolutes Highlight unserer Reise. Hierhin wollen wir auf jeden Fall zurückkehren, um das Gebirge ausgiebiger zu erkunden! Karges Hochland und etliche Gipfel begleiten uns auf dem Weg hinab zum Piva Stausee, der sich mit seinem türkisfarbenen Wasser bis an die bosnische Grenze neben uns herschlängelt. Auf der bosnischen Seite erwarten uns wieder Berge und dichte Wälder, die teilweise an den Schwarzwald erinnern. Unser Plan in einem Rutsch durchzufahren, erweist sich als nicht durchführbar und wir legen einen Zwischenstopp hinter Sarajevo am See Bistarac ein.
Piva Stausee
dem Himmel nahe
Auf Empfehlung des Campingchefs starten wir zu einem laut seiner Aussage „vierstündigen Spaziergang“ rund um das Meded Gebirge. Der Weg beginnt direkt an unserem Schlafplatz und führt uns zunächst durch schattigen Nadelwald, bis wir schließlich die Baumgrenze hinter uns lassen und auf schotterigen Pfaden stetig bergauf marschieren. Immer wieder halten wir an, um die Aussicht, die sich von Minute zu Minute ändert, festzuhalten. Mit jedem Schritt steigt die Wanderung in unserer Bestenliste nach oben. Schon bald erreichen wir eine kleine Schutzhütte, hinter der sich der Gletscher Debeli Namet zeigt. Hier wird uns langsam bewusst, dass wir mit vier Stunden Wanderzeit nicht hinkommen. Den Gipfel Obla Glava erstürmen wir im Anschluss, um danach auf dem langen Geröllfeld hinab zu den kleinen Schutzhütten von Katun Lokvice zu gelangen. Dem folgt ein Marsch durch die Steingärten von Bobotov Kuk und ein langer Abstieg wieder durch Nadelwald zum Gebirgssee Crno Jezero. Dort drehen wir noch eine unfreiwillige Ehrenrunde durch den Wald, bis wir nach siebeneinhalb Stunden doch noch das Camp erreichen. Zum Kochen fehlt uns die Zeit und Lust, deshalb gönnen wir uns die angepriesene „Gute Portion natural Fisch von schwarzer See“ und genießen die familiäre Atmosphäre zwischen kochender Mutter, servierenden Töchtern, herumtollenden Hunden und dem vielbeschäftigten „Campingboss“.
Wir gehen steil
Am Vortag haben wir uns noch mit Kartenmaterial eingedeckt und wollen den Berg Lmr erklimmen, von dem man eine tolle Aussicht auf den See hinunter und auf die umliegenden Berge haben soll. Beim Betrachten der Zahlen: vier Kilometer / 700 Höhenmeter / 2:30h, ist uns klar, dass dies kein Spaziergang wird. Dennoch starten wir früh und sind zuversichtlich. Im dichten Laubwald geht es steil bergauf und bereits nach wenigen hundert Metern, sind wir schwer aus der Puste. Nach zwei Stunden erblicken wir endlich die Kuppe, doch vom erhofften Panoramablick ist weit uns breit nichts zu sehen. Es vergehen zwei weitere Stunden in denen wir alle in Frage kommenden Gipfel der Umgebung hochkraxeln, bis wir endlich nach einer weiteren Stunde den See zu sehen bekommen. Der Abstieg ist auch anstrengend und wir sind heilfroh, als wir nach insgesamt sechseinhalb Stunden, den Bus erreichen. Nach einer kurzen Erholungspause für die Zehen, heisst es für uns on the road again, um den nächsten Nationalpark im Nordwesten ins Visier zu nehmen. Der Weg dorthin führt durch das malerische Taratal, wo uns die eindrucksvollen Gesteinsmassen einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende geben. Kurz nachdem wir die bekannte Tarabrücke passiert haben, sammeln wir noch zwei junge Pfadfinder auf, die wie wir nach Zabeljak wollen. Wenige Kilometer später befinden wir uns auf der eindrucksvollen Hochebene des Durmitors, auf der auch die besagte Stadt liegt. Wir verabschieden die Pfadfinder und fahren unseren Stellplatztipp an, wo wir direkt mit selbstgebranntem alkoholischem Erzeugnis empfangen werden. Bei angenehmen frischen Temperaturverhältnissen, kuschen wir uns früh ins Bett.
auf dem Weg ins Durmitor-Gebirge
Ab in den Urwald
Unser nächster Stopp, soll einer der letzten Urwälder Europas sein. Er umschließt den See Biogradska Jezero im Nationalpark Biogradska Gora, in dem man auch campen darf. Dort erreichen wir unser Lager und genehmigen uns ersteinmal einen Schluck aus einer der zahlreichen Quellen, die Montenegros Berge zu bieten hat. Danach machen wir uns zur Umrundung des Sees auf und genießen den uralten Baumbestand und die vielfältige Flora.
c’est bien ça
Nach einem früh morgendlichen Bad im eiskalten Zulauf des Plavsko Jezeros, wollen wir unsere geplante Wanderung zum Hridsko Jezero nachholen und machen uns zeitig auf den Weg. Unterwegs nehmen wir noch eine Tramperin mit, die wir kurz zuvor noch auf unserem Campingplatz am See gesichtet hatten. Wie sich herausstellt, hat Nadine die Englischlehrerin aus den Vogesen, die gleichen Absichten wie wir und wir beschließen, einen Teil der Wanderung gemeinsam zu bestreiten. Nachdem wir die abenteuerliche Schotterpiste mit dem Bus zum Startpunkt gemeistert haben, laufen wir zuerst durch dichten Nadelwald, um uns nach ungefähr einer Stunde in einer almartigen Landschaft wiederzufinden, die uns stark an Südtirol erinnert. Vor lauter Gequassel mit Nadine, gehen wir ab hier auch ersteinmal den falschen Weg, was wir nach circa einer halben Stunde bemerken. Das macht uns allerdings nichts aus, denn die Frau hat wirklich viel interessantes zu erzählen. Die passionierte Wanderin und Fahrradfahrerin ist schon viel in der Welt herumgekommen und wenn sich keine Begleitung für ihre lange Urlaubszeit findet, hat sie auch kein Problem damit, alleine loszuziehen und ihr Zelt einfach irgendwo aufzuschlagen. Sie schwärmt ganz besonders von den Ländern Kirgisistan und Nepal, aber auch Indien, Afghanistan, Bolivien und Albanien haben es ihr angetan. Die Zeit zum Gebirgssee Hridsko Jezero vergeht wie im Fluge, doch nach einem kurzen Sprung ins eiskalte Wasser, trennen sich unsere Wege. Nadine hat den Plan, sich weiter durch die Berge zu schlagen. Inspiriert von ihren Geschichten, treten wir den Rückweg an und bemerken, dass Kamis neues Steckenpferd das Aufspüren (der Verzehr natürlich auch) von wilden Erdbeeren ist, die hier überall wachsen. Der Rückweg kommt uns sehr viel länger vor, was wohl an der fehlenden Geschichtenerzählerin liegt. Wir verlängern noch um eine Nacht am herrlichen Seegrundstück und nehmen auch noch einmal das Angebot der leckeren Küche in Anspruch.
Idylle am See
Sehr früh befinden wir uns auf der Ausweichroute, um Gegenverkehr zu vermeiden. Unser Ziel ist hundertfünfzig Kilometer entfernt, doch schnell merken wir, dass die Straßenverhältnissen kein schnelles Vorankommen erlauben. Zudem wählen wir die vermeindlich kürzere Route an der Tara entlang, um die Landschaft zu genießen. Wir schlängeln uns mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 30 km/h mal links mal rechts bergauf und bergab, um nach sieben Stunden in der kleinen Stadt Plav anzukommen. Dort erwartet uns eine riesige Wiese direkt am See Plavsko Jezero. Von einer Wanderung sehen wir allerdings ab und begnügen uns mit einem kleinen Stadtrundgang durch den quirligen Ort. Hier gibt es mehrere alte Moscheen und Gebäude ottomanischen Ursprungs. Die Familien sitzen oft gesellig beieinander und es dauert nicht lange bis auch wir angesprochen werden (in perfektem deutsch) und uns großzügig Hilfe und Unterkunft angeboten wird. Am Abend genießen wir noch ein leckeres traditionelles vier Gänge Menü für sage und schreibe acht Euro.
„Plavsko Jezero“
Auf dem Weg nach Plav
zwei Länder ein See
Wir verlassen die Küste, um uns von nun ab dem Inland zu zuwenden. Unser erstes Ziel ist der Skadarsko Jezero, ein See von der Fläche des Bodensees, von dem ein Drittel zu Albanien gehört. Der Weg dorthin führt uns in die Berge und als wir am Pass ankommen, blicken wir über den riesigen See mit den angrenzenden Gebirgen, bishin nach Albanien. Die Strecke am See entlang ist ein einziges Farbenspiel aus leuchtend orangener Vegetation, türkisblauem Wasser und weissem Karst. Über schmale und holprige Wege geht es hinab zu einem der wenigen Seezugänge. In Skje angekommen springen wir zuerst ins Türkis. Wärmer als gedacht, zeigt sich das Wasser, wohl auf die Tatsache zurückzuführen, dass die tiefste Stelle nur sechs Meter beträgt. Zwei Stunden später tuckern wir den Berg wieder retour, um weiter nach Murice zu gelangen. Immer wieder haben wir die Chance einen Blick auf die verschiedenen Inseln des noch weitgehend unerschlossenen Sees zu erhaschen. Manche Passagen kommen uns von oben betrachtet vor, wie aus einer Modellwelt. Die Vegetation wird mit jedem Kilometer grüner und sumpfiger. Wir beschließen nicht nach Murice zu fahren und wollen es noch ein Stück Richtung Nationalpark Biogradska Gora schaffen. Bei Virpazar ist allerdings Schicht im Schacht. Reparaturarbeiten an einer Brücke und eine Behelfsbrücke, für die unser Fahrzeug zu groß ist und ein Unfall auf der Ausweichroute, zwingen uns zum Übernachten im wenig schönen dafür sehr lauten Hafen. Aber der Regenschauer, auf den wir schon seid Wochen warten, wird endlich Wirklichkeit und sorgt für eine kühle Nacht.
immer der Adria entlang
Wir bewegen uns auf der Küstenstraße Richtung Süden und passieren dutzende Bausünden und endlos volle Strände auf dem Stück zwischen Budva und Bar. Hier reiht sich Hotelkomplex an Hotelkomplex und die Strände leuchten bunt von den nahtlos aneinander gestellten Sonnenschirmen. Kurz hinter Budva erblicken wir ein Postkartenmotiv, das zwischen den ganzen Neubauten hervorsticht. Es ist das alte Dorf Sveti Stefan, welches der letzte Einwohner in den fünfzigern verlassen hat, seitdem ist alles bis auf den letzten Winkel mietbar. Im Angesichts dessen, verliert die kleine herausgeputzte Hotelinsel ein wenig an Charme, ist aber trotzdem schön anzusehen.
Stari Bar
Als nächstes erreichen wir Stari Bar, die Ruinenstadt, die ein wenig landeinwärts liegt. Hier wurde bereits vor weit über zweitausend Jahren gelebt, wenn auch die heute sichtbaren Überreste der festungsartig ausgebauten Altstadt jüngeren Datums sind. Von hier genießen wir einen fantastischen Ausblick ins Umland, wo wir die ersten Moscheen entdecken. Nach einem kleinen Umweg finden wir letztendlich auch den ältesten Olivenbaums Europas, der stolze zweitausend Jahre auf dem Buckel hat und mittlerweile umgeben von einer kleinen Parkanlage wohl auch noch weitere zweitausend Jahre vor sich hin knottern wird. Überhaupt werden in dieser Gegend sehr viele Oliven angebaut und auf der Suche nach einem Schlafplatz fahren wir durch den mit Abstand größten Olivenwald des Landes zur Bucht Valdanos. Dort ist proppenvoll und wir ergreifen die Flucht.
Ada Bojana
Kurz vor der albanischen Grenze auf der Halbinsel Ada Bojana finden wir einen Schlafplatz. Abends machen wir noch einen Spaziergang an die Mündung des Flusses Bojana wo noch mit traditionellem Instrument gefischt wird und die vielen Holzgerüste und Hütten entlang des Ufers verströmen ein südasiatisches Flair.
In Montenegro sind die zahlreichen streunenden Hunde immer präsent und wir als Hundeliebhaber haben oft mit starken Gefühlen zu kämpfen. Viele sind in einem schlechten Zustand und laufen in halsbrecherischen Aktionen quer über die Straße. Einmal drehen wir mit dem Bus um, um einen Welpen, der an einer stark befahrenen Straße läuft, aufzusammeln, dieser hatte sich aber in der Zwischenzeit aus dem Staub gemacht. Ein anderes Mal durchfahren wir einen Tunnel zwei Mal, um sicherzugehen, dass der dort liegende Hund wirklich tot ist. Auch den Anblick der Wachhunde die an einer Kette vor sich hinvegetieren, die meist kaum länger als einen Meter misst, können wir kaum ertragen. Auf der Halbinsel war es dann fast soweit und wir wären beinahe zu viert weitergereist. Die süße schwarz weiss gefleckte mit bernsteinfarbenen Augen versehene Schönheit gibt sich erst eine kleine spielerische Rangelei mit Kami, um sich dann eine Zeit an unsere Fersen zu hängen und es sich im Schatten des Busses bequem zu machen. Sie nimmt uns allerdings die Entscheidung ab und ist irgendwann verschwunden.
Der einzige Fjord des Mittelmeeres
Wir starten einen neuen Versuch die Bucht von Kotor gebührend zu erkunden und schrauben uns die unzähligen Serpentinen wieder hinunter in den Fjord, wo die Stadt Kotor liegt. Waldbrände scheinen in Kroatien und Montenegro leider keine Seltenheit zu sein und auch auf unserem Weg hinab, werden wir wieder Zeuge bei Löscharbeiten am Hang. Gegen neun Uhr befinden wir uns vor dem Stadttor Kotors seines Zeichens Weltkulturerbe. Wir durchforsten die überschaubare Altstadt und bestaunen die Festungsbauten die sich bis hoch auf den Berg ziehen. Auf dem Markt decken wir uns noch mit Obst und Gemüse ein, bevor wir weiter auf die Halbinsel Lustica fahren, um dort in Zanjice ausgiebig zu schnorcheln. Die grüne Insel ist noch einigermaßen unberührt, aber auch hier sehen wir, wie ein Gebäude nach dem anderen aus dem Boden wächst und sogar ein künstliche Bucht entstehen soll. Wir hoffen, dass die kleine felsige Bucht bei Zanjice, dies einigermaßen unbeschadet überleben wird.
Halbinsel Lustica, Zanjice
Auf den Gipfeln Montenegros
Früh treibt es uns weiter und wir wollen den Nationalpark Lovcen und das Njegos Mausoleum besuchen. Allein die Fahrt dorthin ist schon ein Erlebnis und es geht auf fünfundzwanzig Serpentinen hinauf in luftige Höhen. Der Blick hinunter in die Bucht wird von Kurve zu Kurve beeindruckender und die Temperaturen erträglicher. Hoch oben passieren wir das Dorf Njegusi, um dann wieder bergab zu fahren. Bei Cetinje der alten Hauptstadt Montenegros geht es dann wieder über etliche Serpentinen hinauf in den Nationalpark. Nach einer weiteren halben Stunde stehen wir auf dem Parkplatz des berühmten Mausoleums von Petar II. Hier müssen wir zahlreiche Stufen erklimmen, bis wir davor stehen und einen sagenhaften Rundumblick genießen dürfen.
Wanderung im Nationalpark Lovcen
Im fünf Kilometer entfernten Besucherzentrum, decken wir uns mit Kartenmaterial ein und starten eine kleine Wanderung die uns auf den Gipfel des Trestenicki vrh bringt. Auf dem Weg dorthin laufen wir durch dichten Buchenwald und wir entdecken sogar wildwachsende Erdbeeren, die einen betörend süßen Duft verströmen. Das letzte Stück ist steil und unwegsam, aber der Ausblick entschädigt dafür umso mehr. Da das Übernachten im Nationalpark wohl kein Problem ist, verbringen wir die Nacht unter schattigen Bäumen bei angenehmen Temperaturen.
einmal durch und zurück
Nachdem der Grenzübergang gemeistert ist (kleiner Schreckensmoment „Grüner Zettel“) fahren wir erstmal an drei geplanten Zielen schweren Herzens vorbei, zum einem am Orjen-Gebirge und zum anderen an den wohl sehenswerten Städten Herceg Novi und Perast, denn für die Durchführung der Rundgänge bzw. Wanderungen ist es einfach zu heiss. Wir tuckern entlang der Küstenstraße um die Bucht von Kotor, bis wir ein freies Plätzchen finden, um das erste Mal das Wasser Montenegros zu testen. Nachdem wir alle abgekühlt sind und den Blick auf den einzigen Mittelmeerfjord und dem sich darüber türmenden Orjen-Gebirge aufgesogen haben, beginnen wir unsere Schlafplatzsuche, die in eine kleine Irrfahrt mit Verkehrschaos ausartet. Letztendlich werden wir nicht weit von unserer Badestelle in Stoliv fündig, wo wir gegen einundzwanzig Uhr im Garten eines netten alten Ehepaares endlich den Motor ausschalten.
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